Unsinn oder Wahrheit?
Wir
kenne sie alle: die Warnung mit dem Wasser und den Kirschen, die Sache mit dem
vielen Eisen im Spinat und dass Möhren gut für die Augen sind.
Unsere Großeltern haben sie uns mit erhobenem Zeigefinger beigebracht. Selbst
hatten sie diese “Gerüchte” von ihren Großeltern und
Eltern und so weiter..... Sicher haben viele dieser bekannten Sprüche ihre
Berechtigung gehabt und haben sie noch, manche allerdings
sind auch nur blanker Unsinn und manche haben wir durch eigenes Erleben auf
Brauchbarkeit prüfen können oder müssen! Wie auch immer, interessant ist es
schon, mal des eine oder andere dieser “Gerüchte” näher unter die Lupe zu
nehmen.
“Vitaminpillen und -pülverchen sind als Nahrungsergänzung wichtig”
Unsinn - wenn man gesund ist und sich in unserem Lebensraum vernünftig und
abwechslungsreich ernährt, braucht man keine zusätzlichen Vitamine in Pillenform
schlucken. Der Körper kann sowieso nur wenig(e) Vitamine und Mineralstoffe
speichern und scheidet das Zuviel davon einfach unverbraucht wieder aus.
Vitaminmangel ist bei einer ausgewogenen Ernährung höchst unwahrscheinlich.
„Täglich zusätzlich einen Löffel Olivenöl - das fördert die Gesundheit“
Olivenöl ist zweifelsohne eines der gesündesten Naturprodukte. Allerdings reicht
es, Olivenöl zum Kochen und zu Salaten etc. ganz normal zu verwenden. Man sollte
nicht vergessen, dass es ein Fett ist und somit reichlich Kalorien hat. Ein
Zuviel kann also fatale Folgen haben, zumal es nicht notwendig ist.
„Nudeln sind Dickmacher“
Nudeln selbst machen nicht dick, sie bestehen weitestgehend aus Stärke und
sättigen gut. Außerdem sind sie ein sofortiger Energielieferant und bringen Hirn
und Nerven auf Vordermann. Die Dickmacher sind die Saucen und andere Zutaten,
denn wer isst schon gerne die Nudeln pur.
„Auf Kirschen und Pflaumen vom Baum kein Wasser trinken“
Das hatte früher durchaus sein Berechtigung, denn das Trinkwasser hatte oft
nicht den heutigen Reinheitsgrad.
Gerade Steinobst hat, zusammengenommen, eine große Oberfläche mit vielen Keimen
und Pilzen, die im Magen zusammen mit dem Wasser einen tüchtigen Gärprozess in
Gang bringen können und man bekommt Bauchschmerzen und evtl. schlimmeres.
Auch heute sollten empfindliche Menschen, die oft unter Magenverstimmungen
leiden, lieber kein Wasser nach dem Verzehr von Steinobst trinken.
„Nach dem Essen sollst Du ruhn oder tausend Schritte tun.“
Hier ist die Sache nicht so ganz einfach. Erst mal - es ist egal, ob man sich
nach dem Essen bewegt oder ausruht - auf die Gesundheit direkt hat das keinen
Einfluss. Wichtig ist, sich regelmäßig täglich genügend zu bewegen und - trotz
der oft erklärten Vorteile von mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt
- lieber nur drei ausreichend sättigende zu sich zu nehmen.
Der Grund ist recht einfach erklärt. Wenn wir mal unsere Vorfahren betrachten,
die vor Tausenden von Jahren gelebt haben, dann haben diese Menschen nicht
ständig etwas zu essen gehabt, sondern meist eine, höchstens zwei Mahlzeiten am
Tag zu sich nehmen können - das hat ihnen gereicht, sie haben ihre Arbeit
verrichtet, die oft schwer war, gingen jagen und beschützten ihre Familien. In
unseren genetischen Veranlagungen ist dieses Verhalten festgeschrieben - wir
können also mit wenigen Mahlzeiten auskommen.
Wenn wir essen, steigt sofort unser Blutzuckerwert, Insulin wird ausgeschüttet
und der Blutfettwert steigt an. Alles Risikofaktoren für sogenannte
„Zivilisationskrankheiten“ - die Häufigkeit dieses Vorganges können wir
verringern, indem wir eben drei und nicht 5 Mahlzeiten
essen.
„Muscheln nicht in den Sommermonaten essen“
Damit sind bei uns die Monate gemeint, die kein „r“ enthalten. Muscheln filtern
ihre Nahrung aus dem Wasser. Dabei nehmen sie auch Schadstoffe auf und das
besonders im Sommer, wenn die Wassertemperaturen hoch sind und z. B. giftige
Algen im Wasser schwimmen. Dadurch wird das Muschelfleisch ungenießbar.
Allerdings ist dieses, richtige, „Gerücht“ heute nicht mehr von allzu großer
Bedeutung, denn alle aus den EU - Ländern kommenden Muscheln werden sorgfältigst
auf Schadstoffe kontrolliert und kommen nur so in den Handel. Allerdings
unterliegen Einfuhren aus anderen Ländern dieser Kontrollpflicht nicht.
„Liebe geht durch den Magen“
Dem können wir wohl alle uneingeschränkt zustimmen. Natürlich müssen wir auch
hier etwas nachhelfen mit Fantasie und Kreativität, mit verführerischen Gewürzen
und Zutaten, die verantwortlich sind, dass ordentlich Glückhormone ausgeschüttet
werden.
„Möhren sind gut für die Augen“
Richtig daran ist, dass das in Möhren / Karotten reichlich vorhandene
Betakarotin von unserem Körper in Vitamin A umgewandelt wird und das in dieser
Form ein Grundbaustein der Netzhaut des Auges.
Ein Grund für Nachtblindheit kann z. B. ein Vitamin A Mangel sein.
Wissen sollte man dazu, dass der Körper das Betakarotin am besten mit etwas Fett
zusammen aufnimmt. Also hilft es wenig, Möhren einfach pur zu essen. Man sollte
sie in etwas Fett andünsten.
Damit ist auch klar, dass es keinen Zusammenhangen zwischen den brillenlosen
Hasen und deren Vorliebe für Möhren gibt, was uns ein anderes „Gerücht“ oftmals
weiß machen will, denn Hasen mögen keine gedünsteten Möhren. ;-)